Bilaterale Beziehungen zu Europa als wichtiges Standbein für den Aargau

FDP-Tagung zeigt bestehende grenzüberschreitende Zusammenarbeit eindrücklich auf

«Die Schweiz und Europa- wo liegen die Interessen des Kantons Aargau?» - so der Titel der traditionellen Rheinfelder Tagung der FDP Aargau. Aus vier verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und aus der anschliessenden offenen Diskussion wurde die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit des Kantons Aargau zu Europa und im Speziellen zum Nachbarland Deutschland in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen deutlich. Der Aargau ist auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf der Grundlage der bilateralen Beziehungen zur EU dringend angewiesen, so das einhellige Fazit der Diskussion.

Podiums-Diskussion

In seiner Einleitung betonte Parteipräsident Lukas Pfisterer die hohe Aktualität der Tagungsthematik. Der Aargau pflegt bereits heute eine intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Gleichzeitig verwies er auf das freisinnige Bekenntnis zum bilateralen Weg. Der Aargauer FDP-Ständerat Philipp Müller führte in einem gewohnt engagierten Plädoyer anhand verschiedener aktueller Beispiele aus, wie entscheidend für die Schweiz die bilateralen Beziehungen zur EU sind. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt sei wirtschaftspolitisch essentiell. Eine Gefährdung der Bilateralen sei ein Spiel mit dem Feuer. Man gefährde wichtige Handelsbeziehungen und die für Unternehmen zentrale Rechtssicherheit, betonte Müller mit Nachdruck.

Enge Beziehungen des Aargaus zu benachbartem Ausland als Standortfaktor

Mit statistischem Material zeigte Annelise Alig, Leiterin von Aargau Services Standortförderung, die enge Verflechtung des Aargaus mit naheliegenden EU-Staaten auf. Der Aargau ist schweizweit der viertgrösste Exportkanton, beinahe die Hälfte der Exporte hiervon gehen nach Deutschland und Österreich. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Beziehungen zum benachbarten deutschen Bundesland Baden-Württemberg, die dank sehr engem Austausch des aargauischen Regierungsrats mit der dortigen Landesregierung seit einigen Jahren auch politisch gestärkt werden. Alig fasste ihren Beitrag dahingehend zusammen, dass die Handelsbeziehungen des Kantons insbesondere mit Deutschland sehr intensiv seien und die Ergebnisse in aller Regel sehr gut. Sie betonte gleichzeitig die Wichtigkeit der guten existierenden Rahmenbedingungen und deren Erhalt in der Zukunft.

Internationalität als Basis für wirtschaftlichen Erfolg durch 360°-Perspektive

Mit Erfahrungen aus der Praxis eines hiesigen KMU beeindruckte Raphael Jehle, Geschäftsführer und Mitinhaber der Jehle AG in Etzgen. Die Heimat des Unternehmens sei klar der Aargau und die Schweiz, das wirtschaftliche Umfeld sei aber ganz Europa, so Jehle. Das ambitionierte Familienunternehmen setzt qualitative Massstäbe im Werkzeugbau und arbeitet dabei eng mit internationalen Partnern und Kunden zusammen. Wie seine Vorredner strich Jehle die zentrale Bedeutung von guten hiesigen Rahmenbedingungen zur Gewährleistung von Planungssicherheit und Stabilität hervor. Im heutigen Umfeld sei weiter der Zugang zu Fachkräften, Absatzmärkten und Einkaufsmärkten auf internationaler Ebene existenziell. Er müsse unter anderem seine Mitarbeitenden mit einer 360°-Perspektive rekrutieren können - also auch grenzüberschreitend.

Landesübergreifende politische Partnerschaft zum beidseitigen Vorteil

Mit einem ganzen Strauss an grenzüberschreitender Zusammenarbeit zwischen dem Aargau und dem Landkreis Waldshut wartete Landrat Dr. Martin Kistler auf - als Landrat eine Art «Ein-Mann-Regierungsrat» des Landkreises Waldshut. Die Kooperationen in Bereichen wie Verkehr, Tourismus, Energie, Umweltschutz und -entwicklung geniessen auf beiden Seiten der Landesgrenze hohe Wertschätzung. In heiklen Bereichen wie geologisches Tiefenlager und Flugverkehr existiert ein konstruktiver Dialog.

In der abschliessenden Diskussion mit Publikumsbeteiligung manifestierte sich die vom Parteipräsidenten Pfisterer bereits einleitend erwähnte klar befürwortende Haltung der FDP zu den bilateralen Beziehungen zu Europa. Die hohe Qualität der Schweizer und Aargauer Unternehmen muss vermehrt in den Fokus gerückt werden. Bemühungen um Strukturerhaltung und Protektionismus – egal ob von linker oder rechter Seite – wurden als nicht zukunftsfähige Rezepte identifiziert. Vielmehr braucht es für den Erfolg klare Rechtssicherheit sowie Freiheiten für Unternehmer, die nicht an der Kantons- oder Landesgrenze aufhören. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist Alltag und Notwendigkeit - die Politik kann sich dem nicht verschliessen. Parteipräsident Pfisterer schloss mit den Worten «Der süddeutsche Raum ist uns geografisch näher als er der Politik erscheint.»

Weitere Auskünfte:
Lukas Pfisterer, Grossrat, Parteipräsident, Tel. 076 468 49 91